:-I Auf einem hohen Sockel an der Nordseite der Piazza Pantaleo in Rom steht das Fragment einer hellenistischen Skulptur, die bei Pflasterarbeiten im 16. Jahrhundert in der Nähe ihres Standorts gefunden wurde. Große Teile der Figur fehlen und von ihrem Gesicht ist lediglich eine Anordnung von Löchern, Höhlen und Wölbungen verblieben, die noch den ursprünglichen Ausdruck erahnen lassen, in ihrer Reduziertheit aber mehr an ein Emoticon als ein antikes Porträtbild erinnern. Kurz nach dem Aufstellen der Figur wurde damit begonnen, Texte in Versform am Stein anzubringen, um satirische Kommentare auf das Zeitgeschehen zu veröffentlichen. Durch diese Sprechblasen bekam der Marmor eine lautlose Stimme. Im Laufe der Zeit begannen andere Figuren auf die Äußerungen zu antworten und es entspann sich ein diskursives Netzwerk über die Innenstadt hinweg. Diese Rolle als physische Stellvertretung anonymer Stimmen anderer füllen einige der Figuren bis heute aus.
O Lehrmodell aus der Akustisch Phonetischen Sammlung (Dresden)
P Modelle von Zungen aus der Akustisch Phonetischen Sammlung (Dresden)
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o.T.
Mach 1
crckzcks / shhhxcxxs Schallplatten unter Rasterelektronenmikroskop
o.T.
RAM mechanischer Arbeitsspeicher
Raumansichten Künstler_innenhaus Frise / Hamburg / 2024
:-P
:-P untersucht die materielle Repräsentation von Sprache und Kommunikation und folgt der Frage, wie sich das Flüchtige von Stimme, Laut und Bedeutung in Objekte, Bilder und Strukturen einschreibt. Als historischer Referenzpunkt dienen die sogenannten sprechenden Statuen Roms, die seit dem 16. Jahrhundert als informelle Träger öffentlicher Meinungsäußerung fungierten. Sie markieren einen Moment, in dem Sprache an Körper und Material gebunden und im öffentlichen Raum verankert wurde.
Ausgehend davon entwickelt die Arbeit ein Ensemble aus unterschiedlichen Fundstücken, Modellen, Abbildungen und medialen Fragmenten, die zu einem Gesamtgefüge zusammengesampelt werden. Zungenmodelle aus dem Gesangsunterricht des späten 19. Jahrhunderts oder Aufnahmen eines Rasterelektronenmikroskops von Schallplatten stehen exemplarisch für dieses Vorgehen: Sie verweisen auf die körperlichen, didaktischen und technischen Bedingungen von Sprachproduktion und -speicherung, ohne diese abschließend festzuschreiben. Die einzelnen Elemente sind Versatzstücke, die unterschiedliche Ebenen von Kommunikation miteinander verschränken.
Im Sampling der einzelenen Aspekte entsteht ein offenes System, in dem Sprache als etwas erscheint, das sich immer wieder neu materialisiert, fragmentiert und überschreibt. Die Arbeit versteht Kommunikation nicht als linearen Übertragungsprozess, sondern als Gefüge aus Einschreibungen, Wiederholungen und Transformationen. Materie wird dabei zum Speicher, Resonanzraum und Akteur zugleich und macht sichtbar, wie Sprache zwischen Körpern, Objekten und Medien zirkuliert.
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