~   2019

Der Eindruck, den Karl von Linné jenem Vogel gehabt haben könnte, den er als Sturnus vulgaris in sein System der binären Nomenklatur einfügte, lässt sich erahnen: Der Star ist etwas Gewöhnliches, nichts Besonderes- vielleicht weil allgegenwärtig. Im Sommer kaum zu überhören: Quietschen, Krächzen, Schnattern, Knarzen. Lärmend prägt der Star das akustische Bild seine Umgebung, signalisiert seine Gegenwart, oft ohne dass er als Lärmverursacher sichtbar ist. „Tjür“, „kiett,“, „stähh“, versucht Lars Svensson, die starentypischen Laute in seinem verbreiteten Vogelführer in Worte zu fassen.

Neben aufgeregtem Geplapper kann der Star auch eine Vielzahl anderer Laute imitieren. Diese Fähigkeit beschränkt sich nicht auf die Nachahmung von Vogelgesängen. Auch Handyklingeln, oder Katzenjammer können in sein Repertoire einfließen. Das macht ihn zum akustischen Spiegel seines Habitats: Gleich einem Sampler, nimmt er Klangfetzen auf, ordnet sie neu und gibt sie wieder aus: Die Startiraden als Resultat von In- und Output einer Lernmaschine.

Der Versuch Svensons, Vogellaute in geschriebenes Wort zu übersetzen, sagt indirekt vielleicht mehr über Vermögen und Unvermögen der menschlichen Sprache aus als über die Vogelsprache selbst. Ebenso sind die Arbeiten aus „~“ Untersuchungen, die durch Übersetzungen, Transfer und Verschiebungen bestenfalls etwas über sich hinaus verdeutlichen können:  Das Tierpräparat des Staren in Übertragung zum texturierten 3D-Modell, clean und künstlich, wie einem Werbeclip entsprungen, das Notenblatt als algorithmische Handlungsanweisung zur Geste oder der Feedback-Sound einer verzerrten E-Gitarre, generiert aus einem Datensatz für das Vogelmodell werden zu einer losen Narration im Raum gesampelt.